Schweizer Expertise für europäische Behandlungsleitlinien für Herzklappenerkrankungen

Die Inselspital-Kardiologen Prof. Dr. med. Fabien Praz und Prof. Dr. med. Jonas Lanz haben die neuen europäischen Behandlungsleitlinien für Herzklappenerkrankungen mitgeprägt. Diese Leitlinien sind führend für die Behandlung von Herzklappenerkrankten in ganz Europa und beeinflussen die klinische Praxis weltweit über Jahre hinweg.

Die am 29. August 2025, am Kongress der European Society of Cardiology (ESC) in Madrid vorgestellten, vollständig überarbeiteten Leitlinien zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen entstanden unter dem interdisziplinären Vorsitz von Prof. Dr. med. Fabien Praz, Leitender Arzt der Universitätsklinik für Kardiologie am Inselspital Bern und Prof. Dr. med. Michael Borger, Direktor der Universitätsklinik für Herzchirurgie am Herzzentrum Leipzig, mit massgeblicher Beteiligung von Prof. Dr. med. Jonas Lanz, ebenfalls Leitender Arzt Kardiologie am Inselspital Bern. Diese medizinischen Leitlinien der ESC definieren den internationalen Standard für Diagnostik und Therapie von Herzklappenerkrankungen weltweit.

Höchste Anerkennung für Berner Herzmedizin
Die Ernennung zum Co-Chairman einer ESC-Leitlinien-Taskforce gilt als eine hohe Auszeichnung in der europäischen Kardiologie. «Es ist eine grosse Verantwortung und ein Privi-leg, diese wichtigen Leitlinien in einem Expertenteam gestalten zu dürfen», erklärt Prof. Praz. «Bereits 2021 durfte ich als Task Force Koordinator massgebend an der Entwicklung der vorherigen Leitlinien mitwirken. Nun die Co-Leitung zu übernehmen, unterstreicht die führende Position unseres Zentrums in der internationalen Herzmedizin.» 
Das Inselspital Bern gehört zu den europaweit führenden Zentren für die Behandlung von Herzklappenerkrankungen und führt jährlich über 600 innovative Katheterverfahren durch. Die enge interdisziplinären Zusammenarbeit von Herzchirurgie und Kardiologie ist dabei zentral. 

Neue Evidenz für weniger invasive Verfahren
Die Behandlungsleitlinien werden alle drei bis vier Jahre auf der Basis neuer relevanter Evidenz aktualisiert. «Seit der letzten Erneuerung der Leitlinien sind wichtige randomisierte Studien erschienen, welche die zunehmende Verwendung von weniger invasiven und katheter-gestützten Interventionsverfahren bei Patienten mit Klappenerkrankungen unterstützen. Diese neuen Daten sowie die zunehmende Wichtigkeit einer individuellen, patientenzentrierten Entscheidungsfindung wurden in die neue Version der ESC-Leitlinien integriert», erläutert Prof. Praz. Der dreijährige Entwicklungsprozess erfolgte durch eine internationale, multidisziplinäre Expertengruppe der ESC – einer der grössten Fachorganisationen weltweit mit über 100 000 Mitgliedern – gemeinsam mit der Europäischen Assoziation für Cardio-Thorakale Chirurgie (EACTS). «Sämtliche Empfehlungen werden kritisch überprüft und müssen durch mindestens 75 Prozent der Task-Force-Stimmen unterstützt werden», beschreibt Prof. Praz das strenge Verfahren. 

Fokus auf Patientennutzen und Zugänglichkeit
«Die Leitlinien helfen dabei, die beste Therapie für die geeignetsten Patient:innen zu selektionieren», betont Prof. Praz. «Die neuen Leitlinien setzen sich für die Durchführung von komplexen Prozeduren an Expertenzentren ein sowie für eine bessere Behandlung von Frauen und Risikopopulationen. Neue Kapitel befassen sich mit der Behandlung der akuten Herzinsuffizienz, der multivalvulären Herzkrankheit sowie von Patient:innen mit assoziierten Krebserkrankungen.»

Über die ESC-Leitlinien
Die Leitlinien sind frei zugänglich und werden wenige Monate nach Veröffentlichung auch in patientenfreundlicher Form auf der ESC-Website verfügbar sein.
 

Prof. Dr. med. Fabien Praz

Prof. Dr. med. Jonas Lanz